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Ehrgeizige und gerechte Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinie in Deutschland
Die am stärksten belasteten Regionen in Deutschland unterstützen, die neuen Schadstoffgrenzwerte umzusetzen — ohne zeitliche Ausnahmeregelungen
Das Projekt „Ehrgeizige und gerechte Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinie in Deutschland“ baut auf dem vorangegangenen Clean Air Fund-Projekt auf, das sich ebenfalls mit der novellierten EU-Luftqualitätsrichtlinie befasste und die Rolle der Bundesregierung bei deren Überarbeitung analysierte.
Im aktuellen Projekt geht es darum, die am stärksten belasteten Regionen Deutschlands dabei zu unterstützen, die neuen Schadstoffgrenzwerte ohne zeitliche Ausnahmeregelungen umzusetzen. Dabei werden politisch umsetzbare, kosteneffiziente und sozial gerechte Wege zur Einhaltung der Grenzwerte identifiziert – mit Fokus auf Feinstaub (PM) und Stickstoffdioxid (NO₂) sowie auf zentrale Emissionsquellen wie Verkehr und Gebäudebeheizung. Die Erkenntnisse münden in politische Empfehlungen für regionale Luftqualitätspläne und bundespolitische Weichenstellungen.
Während sich einige Umwelt- und Gesundheitsorganisationen für ambitionierte Grenzwerte eingesetzt haben, blieben die meisten nationalen Gesundheitspolitiker*innen und Organisationen des Gesundheitswesens bislang nur am Rande involviert.
Nun, da nationale und regionale Maßnahmen zur Umsetzung notwendig werden, steigt der politische Handlungsdruck – insbesondere in industriell geprägten und strukturschwachen Regionen.
Die Bedarfsanalyse und Ermittlung erforderlicher Maßnahmen in den am stärksten betroffenen Regionen Deutschlands soll dazu beitragen, prägnante politische Empfehlungen zu entwickeln, wie die neuen Grenzwerte so schnell wie möglich auf sozial gerechte und politisch durchsetzbare Weise erreicht werden können.
Dieses Projekt konzentriert sich auf das Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen und den Stadtstaat Berlin, wo hohe Luftverschmutzung mit gesundheitlichen und sozioökonomischen Herausforderungen einhergeht. Gleichzeitig ist in diesen Gebieten mit Verzögerungen und Ausnahmen bei der Umsetzung der Richtlinie zu rechnen – etwa angesichts kommunaler Haushaltsengpässe sowie der Sorge über die Schwächung der Industrien.
Projektziele
Das übergeordnete Ziel dieses Projekts ist es, dass Deutschland bis Ende 2026 auf dem richtigen Weg ist, die Luftqualitätsrichtlinie in nationales Recht umzusetzen, mit besonderem Fokus auf die am stärksten betroffenen Regionen des Landes. Dabei soll das Risiko von Ausnahmeregelungen und Verzögerungen verringert werden, indem das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Umsetzung geschärft wird. Damit steht das Projekt im Einklang mit der EU-Portfoliostrategie zur Unterstützung einer ambitionierten und gerechten Umsetzung der Luftqualitätsrichtlinie in deutsches Recht.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Mobilisierung relevanter Stakeholder — darunter Gewerkschaften, Industrievertreter*innen, Patientengruppen, Jugend- und Soziale Wohlfahrtsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen, Regierungsvertretungen, Forschende und Gesundheitsexpert*innen. Ziel ist es, gemeinsam konkrete Vorschläge zu erarbeiten, die sowohl ökologische als auch soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Gleichzeitig werden auch jene Gruppen angesprochen, die in den politischen Diskussionen über die Luftqualität in Deutschland bislang häufig unterrepräsentiert sind. Am Ende dieses Projektes soll das öffentliche und politische Verständnis für die positiven Auswirkungen einer ambitionierten Luftreinhaltepolitik gestärkt sein. Durch einen verbesserten Dialog und Wissenstransfer entstehen tragfähige Allianzen, die über das Projekt hinaus Bestand haben und als Grundlage für die Umsetzung neuer Luftqualitätspläne und ‑maßnahmen dienen können.
Methodik
Das Projekt koordiniert eine nationale Koalition von Interessengruppen und organisiert sechs Dialogveranstaltungen im Ruhrgebiet und in Berlin.
Kernaktivitäten:
- Identifikation relevanter Akteur*innen, um Herausforderungen und Chancen für die Umsetzung der Richtlinie zu erörtern und einen geeigneten Dialogansatzes durch bilaterale Treffen zu entwickeln.
- Austausch mit politischen Entscheidungstragende auf Bundes‑, Landes- und kommunaler Ebene, um gezielt Einfluss auf eine abgestimmte und wirksame Umsetzung der Richtlinie zu nehmen.
- Durchführung von Dialogveranstaltungen zur Analyse lokaler Luftqualitätspläne, sozialer Ungleichheiten und Herausforderungen bei der Umsetzung der neuen Grenzwerte in den Regionen Ruhrgebiet und Berlin.
- Erstellung eines Policy Briefs auf Basis der Dialogergebnisse mit konkreten politischen Empfehlungen zur effektiven Umsetzung der Luftqualitätsrichtlinie und zur Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse.
Mit diesem strukturierten Vorgehen trägt das Projekt dazu bei, dass Deutschland seine Luftqualitätsziele erreicht und dabei soziale Gerechtigkeit gewahrt bleibt.
Handlungsfeld
Weitere Informationen und Materialien
Veranstaltung: Rückblick auf den vierten Stakeholderdialog des Projektes im Februar 2026 im Ruhrgebiet
Veranstaltung: Rückblick auf den dritten Stakeholderdialog des Projektes im Februar 2026 in Berlin
Veranstaltung: Rückblick auf den zweiten Stakeholderdialog des Projektes im November 2025 im Ruhrgebiet
Veranstaltung: Rückblick auf den ersten Stakeholderdialog des Projektes im September 2025 in Berlin
Offener Brief: KLUG, HEAL und CPHP appelieren gemeinsam an Bund und Länder, die EU-Luftqualitätsrichtlinie ambitioniert umzusetzen | September 2025
Interview: Saubere Luft: “Aktualisierte EU-Richtlinie würde Gesundheit schützen, Leben retten und wäre für Deutschland gut zu meistern” — Interview mit Dorothea Baltruks
Policy Brief mit juristischer Analyse von ClientEarth: Auf dem Weg zu gesunder Luft: Wie die aktualisierte EU-Luftqualitätsrichtlinie die Luftqualität verbessern wird | Oktober 2024
Aufzeichnung der Fachtagung „Die Luft wird gesünder“ | Mai 2024
Policy Brief: Die Luft wird gesünder. Kernpunkte der novellierten EU Luftqualitätsrichtlinie | Mai 2024
Artikel Ergotherapie Austria: Gesundheit in der Verschmutzungskrise
Website: Arbeitsgruppe Saubere Luft bei KLUG e.V
Positionspapier der KLUG AG Saubere Luft: Zusammenhang von Klimakrise, Luftverschmutzung und Gesundheit
Externe Ressourcen
Artikel in der taz: Feinstaub in Deutschland reißt Grenzwerte
Artikel: Correctiv: So viel kostet die Luftverschmutzung Deutschland | 12. Oktober 2023
Clean Air Fund Blog: Germany’s domestic efforts and international ambitions for clean air
Artikel Oekonews: Für bessere Gesundheit in der EU: Novellierte Luftqualitätsrichtlinie endlich verabschiedet
Projektlaufzeit
Mai 2025 — April 2027
Kontakt

Projektkoordination
Gefördert durch















