Für eine ambitionierte und fristgerechte Umsetzung der Luftqualitätsrichtlinien: Zweiter Stakeholderdialog in Berlin
Am 11.02. fand der zweite Stakeholderdialog unseres vom Clean Air Fund geförderten Projektes in Berlin statt. Auch dieses Mal kamen verschiedene Akteur*innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammen und diskutierten gemeinsam Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten bezüglich der Umsetzung der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie für das Jahr 2030.

Wie wirkt Luftverschmutzung auf unsere Gesundheit?
Anhand aktueller Daten stellten Dr. Myriam Tobollik und Dr. Katrin Süring vom Umweltbundesamt die gesundheitlichen Auswirkungen von Luftverschmutzung auf unsere Gesundheit dar.
Sie klärten über die Evidenzlage zur kurzfristigen und langfristigen Wirkung von PM2,5 und der Einhaltung verschiedener Grenzwerte auf. Forschungslücken wurden z.B. im Bereich der ultrafeinen Partikeln festgestellt oder auch bei der separaten Darstellung der zugrundeliegenden Stoffe von PM2,5 und deren spezifische Folgen für unsere Gesundheit. Diese Werte werden mit Umsetzung der neuen Richtlinie erhoben, sind bisher jedoch kaum erfasst und auch nicht reglementiert. Einigkeit herrschte darüber, dass es keine einzelne Maßnahme gibt um die PM2,5-Werte weiter zu senken, sondern dass verschiedene Ansätze für die unterschiedlichen Quellen benötigt werden. Anhand aktueller Studien zeigten uns die Wissenschaftlerinnen, dass jede Reduktion von Luftverschmutzung messbare positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.
Und wie wirken sich lokale Luftreinhaltemaßnahmen tatsächlich aus?
Dieser Frage wurde vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) am GFZ nachgegangen. Dr. Seán Schmitz stellte uns die Ergebnisse seiner Forschung am Beispiel der Flaniermeile Friedrichsstraße vor.

Anhand dieses Beispiels konnte gezeigt werden, dass lokale Luftreinhaltemaßnahmen, wie die Einrichtung einer autofreien Zone, wirksam sind um die Belastung an hot spots der Luftverschmutzung zu reduzieren. Es konnte eine Verlagerung des Verkehrs gezeigt werden, ohne ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in Nebenstraßen. Der Autoverkehr wurde weniger, zugunsten von mehr Fuß- und Radverkehr in diesem Bereich. Außerdem erfreuten sich die Nutzer*innen über eine erhöhte Aufenthaltsqualität vor Ort und es kam zu deutlich weniger Unfällen. Das Fazit: Luftreinhaltemaßnahmen führen zu einer Steigerung der Lebensqualität vor Ort, die Einbeziehung der Anwohner*innen in der Planung und Umsetzung sowie die Einbindung einzelner Maßnahmen in ein größeres Stadtumbaukonzept ist wichtig für eine nachhaltige Stadtentwicklung hin zu sauberer Luft.
Ideenentwicklung zur Entwicklung und Kommunikation von Luftreinhaltemaßnahmen in Berlin
In der Diskussion wurde herausgearbeitet, dass unterschiedliche Gruppen ein erhöhtes Risiko haben von gesundheitlichen Auswirkungen durch Luftverschmutzung betroffen zu sein und entsprechend auch verschiedene Maßnahmen notwendig sind um diese Gruppen zu schützen, sowohl auf zielgruppenspezifischer als auch bevölkerungsweiter Ebene. Langfristig profitieren alle von sauberer Luft. Außerdem ist Luftverschmutzung eng mit dem Klimawandel verknüpft. Daher sollten Maßnahmen priorisiert werden, die auch auf andere Ziele einzahlen, wie CO2-Reduktion oder Förderung der Biodiversität.

Der Dialog machte deutlich: Luftreinhaltemaßnahmen zu planen ist eine komplexe Aufgabe und benötigt den Austausch und die Kooperation verschiedener Akteur*innen auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen. Klar ist aber auch: saubere Luft bringt eine verbesserte Lebensqualität, mehr Gesundheit und positive Effekte für unsere Umwelt und das Klima mit sich. Es gibt bereits viele Erfolgsgeschichten, die jeden Tag von engagierten Akteur*innen weiter vorangetrieben werden. Diese breite Expertise bietet einen hervorragenden Ansatzpunkt für die ehrgeizige Umsetzung der neuen Luftqualitätsrichtlinie bis 2030.

Vielen Dank für die Teilnahme und den aktiven Austausch. Wir freuen uns auf die nächste Dialog-Runde.
Fotos: CPHP
