Am: 09.09.2026

Par­la­men­ta­ri­sches Früh­stück zu poli­ti­schen Stra­te­gien für ein nach­hal­ti­ges Arz­nei­mit­tel­we­sen

Par­la­men­ta­ri­sches Früh­stück zu poli­ti­schen Stra­te­gien für ein nach­hal­ti­ges Arz­nei­mit­tel­we­sen

Menschen sitzen an einem großen Tisch in einem Raum mit Glasfassade und Blick auf das Reichstagsgebäude.

Wie las­sen sich Ver­sor­gungs­si­cher­heit, Bezahl­bar­keit und Nach­hal­tig­keit im Arz­nei­mit­tel­we­sen bes­ser zusam­men­den­ken? Die­ser Fra­ge sind wir am 9. Sep­tem­ber bei einem par­la­men­ta­ri­schen Früh­stück im Bun­des­tag nach­ge­gan­gen. Vertreter*innen aus Poli­tik, Ver­wal­tung, Wis­sen­schaft, Kran­ken­kas­sen, Apotheker*innenschaft, Indus­trie und Zivil­ge­sell­schaft dis­ku­tier­ten, wel­che poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen es braucht, damit Nach­hal­tig­keit ent­lang des gesam­ten Lebens­zy­klus von Arz­nei­mit­teln – von der Pro­duk­ti­on über die Ver­schrei­bung bis zur Ent­sor­gung – stär­ker berück­sich­tigt wird.

Ein beson­de­rer Dank gebührt Mat­thi­as Mie­ves, MdB (SPD-Frak­ti­on) und Sascha van Beek (CDU/C­SU-Frak­ti­on) für die Über­nah­me der Schirm­herr­schaft sowie dem Umwelt­bun­des­amt für das im Rah­men einer Ver­bän­de­för­de­rung rea­li­sier­te Pro­jekt „Poli­ti­sche Stra­te­gien für eine umwelt­freund­li­che Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung“.

Lösungs­an­sät­ze ent­lang des Lebens­zy­klus

Doro­thea Baltruks eröff­ne­te die Ver­an­stal­tung mit der Vor­stel­lung unse­res neu­en Poli­cy Briefs „Rah­men­be­din­gun­gen für ein nach­hal­ti­ges Arz­nei­mit­tel­we­sen stär­ken“. Die­ser for­mu­liert kon­kre­te poli­ti­sche Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für die Trans­for­ma­ti­on hin zu einem zukunfts­ori­en­tier­ten Arz­nei­mit­tel­sek­tor, der im glo­ba­len Markt zuneh­mend nach­ge­frag­te nach­hal­ti­ge und inno­va­ti­ve Pro­duk­te anbie­tet und eine resi­li­en­te Ver­sor­gung in Deutsch­land sichert. Er betont die Bedeu­tung der stra­te­gi­schen Ver­an­ke­rung von Nach­hal­tig­keit in der Gesund­heits- und Arz­nei­mit­tel­po­li­tik und zeigt, wie Nach­hal­tig­keit zum Wett­be­werbs­vor­teil in Aus­schrei­bun­gen gemacht und über trans­pa­ren­te Umwelt­da­ten sowie das Ver­ur­sa­cher­prin­zip im Abwas­ser­be­reich kon­se­quent umge­setzt wer­den kann.

Auch die bei­den Schirm­her­ren beton­ten die Bedeu­tung bes­se­rer Rah­men­be­din­gun­gen: For­schung, Ent­wick­lung und Pro­duk­ti­on soll­ten stär­ker nach Deutsch­land und Euro­pa zurück­ge­holt wer­den, wo der gemein­sa­me Rechts­rah­men für Arbeits- und Umwelt­stan­dards gilt. Ziel müs­se nicht das bil­ligs­te, son­dern das bes­te und umwelt­freund­lichs­te Arz­nei­mit­tel sein.

Impuls aus der Rechts­wis­sen­schaft und die Per­spek­ti­ve der Kran­ken­kas­sen

Prof. Dr. Kim Tep­pe (Hoch­schu­le für Wirt­schaft und Recht Ber­lin) zeig­te auf, dass Umwelt­da­ten zu Arz­nei­mit­teln bis­lang kaum öffent­lich zugäng­lich und in der Zulas­sung kaum rele­vant gewe­sen sind. Das EU-Phar­ma­pa­ket ver­leiht der Umwelt­ri­si­ko­be­wer­tung nun mehr Gewicht, was einen Anreiz zur Reduk­ti­on von Umwelt­ri­si­ken für Hersteller*innen brin­gen könn­te. Sie schlug ein natio­na­les Regis­ter der Umwelt­aus­wir­kun­gen je Wirk­stoff vor, ver­bun­den mit Kas­sen-Boni für die Ein­hal­tung von Höchst­wer­ten im Was­ser.

Johan­nes Bau­ern­feind (AOK Baden-Würt­tem­berg) berich­te­te von Anti­bio­ti­ka­aus­schrei­bun­gen der AOK, für die gemein­sam mit dem Umwelt­bun­des­amt und dem IWW Was­ser­in­sti­tut Schwel­len­wer­te defi­niert wur­den. Hersteller*innen, die die­se ein­hal­ten und eine Über­prü­fung vor Ort zulas­sen, erhal­ten dem­nach einen Bonus. Für mehr Wir­kung sei­en jedoch Klar­heit im euro­päi­schen Ver­ga­be­recht sowie finan­zier­ba­re Lösun­gen für klei­ne Her­stel­ler erfor­der­lich.

In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on ging es u.a. um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Pro­duk­ti­ons­stand­orts EU, die Resi­li­enz von Lie­fer­ket­ten sowie die Rol­le von Apo­the­ken bei der Rück­nah­me von Arz­nei­mit­teln.

Menschen sitzen an einem großen Tisch in einem Raum mit Glasfassade und Blick auf das Reichstagsgebäude.

Unser Fazit: Nach­hal­tig­keit und Ver­sor­gungs­si­cher­heit im Arz­nei­mit­tel­we­sen sind kein Wider­spruch – vor­aus­ge­setzt, För­de­run­gen und Aus­schrei­bun­gen wer­den kon­se­quent mit Umwelt- und Kli­ma­kri­te­ri­en ver­knüpft und die dafür nöti­gen Daten trans­pa­rent gemacht. Damit das gelingt, braucht es eine stra­te­gi­sche Ver­an­ke­rung von Nach­hal­tig­keit in der Gesund­heits- und Arz­nei­mit­tel­po­li­tik – und das Zusam­men­wir­ken von Poli­tik, Kran­ken­kas­sen, Wis­sen­schaft und Indus­trie.

Wir dan­ken allen Teil­neh­men­den für die kon­struk­ti­ve Dis­kus­si­on und freu­en uns, die Ergeb­nis­se im Rah­men des Pro­jekts wei­ter­zu­ver­fol­gen!

Fotos: CPHP