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Chemikalienpolitik für Umwelt und Gesundheit

Chemikalienpolitik für Umwelt und Gesundheit – Was jetzt zu tun ist
Im Oktober haben wir uns gemeinsam mit Prof. Dr. Beate Escher (Universität Tübingen / Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) und Alexandra Caterbow (Health and Environment Justice Support e.V.) der Frage gewidmet, wie sich eine wirksamere Chemikalienpolitik für Umwelt und Gesundheit gestalten lässt – mit einem Fokus auf die aktuellen Entwicklungen auf Bundes- und EU-Ebene.
Chemikalien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie stecken u. a. in Kosmetik, Lebensmitteln, Verpackungen oder Kleidung. Gleichzeitig entwickeln sich Umweltchemikalien weltweit zu einer wachsenden Gefahr für Umwelt und Gesundheit: Die Produktion synthetischer Chemikalien steigt rasant – und damit auch die Menge und Vielfalt der Stoffe, die in die Umwelt gelangen.
Welche Dimension diese Entwicklung erreicht hat, zeigt das Konzept der planetaren Grenzen: Die planetare Grenze für „neuartige Substanzen“, zu denen Chemikalien und Kunststoffe zählen, ist bereits überschritten. Das bedeutet, dass Produktion und Freisetzung dieser Stoffe ein Ausmaß erreicht haben, das die Stabilität des Erdsystems und damit auch die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen gefährdet.
Besonders relevant für unsere Gesundheit sind hormonaktive Stoffe, sogenannte „endokrine Disruptoren“. Sie werden u. a. mit Fruchtbarkeitsstörungen, Stoffwechselerkrankungen oder hormonabhängigen Krebsformen in Verbindung gebracht und verursachen allein in der EU Gesundheitskosten von über 160 Milliarden Euro jährlich. Besonders sensibel sind Menschen in Entwicklungsphasen wie Schwangerschaft oder Frühkindheit. Zudem beeinflussen sozioökonomische Faktoren, wie stark Menschen belastet sind und wie gut sie sich schützen können. Chemikalienpolitik ist damit auch eine Frage der Gesundheits- und Umweltgerechtigkeit.
Die dringend notwendige Regulierung von Chemikalien kommt derzeit nur zögerlich voran. Während die umfassende REACH-Reform ausgesetzt wurde, wird zugleich über ein EU-weites PFAS-Verbot verhandelt. Länder wie Dänemark und Frankreich zeigen, dass auch national Maßnahmen vorangetrieben werden können – auch Deutschland steht vor der Frage, wie es bestehende Handlungsmöglichkeiten nutzt und weiterentwickelt.
Hier setzt unser neuer Policy Brief „Chemikalienpolitik für Umwelt und Gesundheit – Was jetzt zu tun ist” an, der Anfang Oktober erschienen ist. Er zeigt die bislang unzureichend adressierten Gefahren von Umweltchemikalien auf und leitet daraus Handlungsempfehlungen für Bundespolitik und EU ab.
Es war uns eine Freude, gemeinsam mit Alexandra Caterbow (Co-Direktorin, Health and Environment Justice Support e.V.) und Prof. Dr. Beate Escher (Leiterin des Departments Zelltoxikologie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Professorin für Umwelttoxikologie an der Universität Tübingen) u. a. folgende Fragen zu diskutieren:
- Wie groß sind die Risiken für Gesundheit und Ökosysteme durch Umweltchemikalien?
- Warum bleibt die europäische Chemikalienpolitik trotz starker wissenschaftlicher Evidenz hinter ihren eigenen Zielen zurück?
- Welche politischen Schritte sind auf Bundes- und EU-Ebene jetzt notwendig, um Gesundheit und Umwelt wirksam vor Umweltchemikalien zu schützen?
Moderiert wurde die Veranstaltung von Marie Jung, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim CPHP.
„Chemikalienpolitik für Umwelt und Gesundheit – was jetzt zu tun ist “ war die 29. Veranstaltung der CPHP-Webinarreihe “Planetary Health Dialogues”, einem monatlichen Austausch mit deutschen und internationalen Wissenschaftler*innen, politischen Entscheidungsträger*innen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft, um gemeinsam Ideen für einen Paradigmenwechsel hin zu Gerechtigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden innerhalb der planetaren Grenzen zu entwickeln.

