Gesün­de­re Luft bis 2030: Gemein­sam für eine ambi­tio­nier­te Umset­zung der Luft­qua­li­täts­richt­li­nie

Gesün­de­re Luft bis 2030: Gemein­sam für eine ambi­tio­nier­te Umset­zung der Luft­qua­li­täts­richt­li­nie

Marie Jung, Doro­thea Baltruks

DOI: 10.5281/zenodo.22958570

Zusam­men­fas­sung

Obwohl sich die Luft­qua­li­tät in den letz­ten Jahr­zehn­ten deut­lich ver­bes­sert hat, sind immer noch fast 90 % der deut­schen Bevöl­ke­rung gesund­heits­schäd­li­cher Luft­ver­schmut­zung aus­ge­setzt ent­spre­chend der Richt­wer­te der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on. Durch ihre kurz- und lang­fris­ti­gen nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Gesund­heit trägt Luft­ver­schmut­zung zu einer hohen Krank­heits­last und vie­len Tau­sen­den vor­zei­ti­gen Todes­fäl­len bei. Gleich­zei­tig zeigt die Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te, dass eine Ver­bes­se­rung der Luft­qua­li­tät mit einer Ver­rin­ge­rung der Krank­heits­last ein­her­geht. Luft­rein­hal­te­po­li­tik wirkt.

Die neue EU-Luft­qua­li­täts­richt­li­nie soll die Gesund­heit der Men­schen und die Umwelt bes­ser schüt­zen. Zur­zeit wird sie in deut­sches Recht über­nom­men. Ab 2030 gel­ten des­halb neue Grenz- und Ziel­wer­te für die Luft­qua­li­tät. Eine vor­läu­fi­ge Aus­wer­tung der Luft­qua­li­tät aus dem Jahr 2025 zeigt: In eini­gen Städ­ten wer­den die­se neu­en Grenz­wer­te der­zeit noch nicht ein­ge­hal­ten. Die­ser Poli­cy Brief basiert auf den Erkennt­nis­sen des Pro­jekts „Ehr­gei­zi­ge und gerech­te Umset­zung der EU-Luft­qua­li­täts­richt­li­nie in Deutsch­land“ und den Erfah­run­gen aus der Beglei­tung der Richt­li­ni­en­um­set­zung im Ruhr­ge­biet und in Ber­lin. Auf die­ser Grund­la­ge haben wir poli­ti­sche Emp­feh­lun­gen ent­wi­ckelt, die auf­zei­gen, wel­che Schrit­te für eine erfolg­rei­che Umset­zung der neu­en Grenz- und Ziel­wer­te bis 2030 erfor­der­lich sind.

Emp­feh­lun­gen

Um sicher­zu­stel­len, dass alle Men­schen in Deutsch­land ab 2030 die ihnen recht­lich zuste­hen­de Luft­qua­li­tät erhal­ten, sind fol­gen­de Schrit­te not­wen­dig:

  • Brei­te Kom­mu­ni­ka­ti­on zu Luft­ver­schmut­zung von Gesundheits‑, Umwelt- und poli­ti­schen Akteu­rin­nen, um die Akzep­tanz von Luft­rein­hal­te­maß­nah­men zu stär­ken.
  • In Gebie­ten, in denen Über­schrei­tun­gen fest­ge­stellt wer­den, müs­sen loka­le und regio­na­le Luft­rein­hal­te­maß­nah­men imple­men­tiert wer­den. Teil­wei­se müs­sen die Län­der und die Bun­des­re­gie­rung hier­für die Rah­men­be­din­gun­gen schnell anpas­sen, damit dies ermög­licht wird.
  • Die Bun­des­re­gie­rung muss über­re­gio­na­le Maß­nah­men ergrei­fen, um die Hin­ter­grund­be­las­tung zu sen­ken.
  • Die Siche­rung von per­so­nel­len Res­sour­cen der zustän­di­gen Behör­den ist essen­ti­ell, damit sie die neu­en Anfor­de­run­gen (z.B. Erstel­lung von Luft­qua­li­täts­fahr­plä­nen, Moni­to­rin­gund Berichts­pflich­ten) erfül­len kön­nen.
  • Eine Koor­di­na­ti­on und finan­zi­el­le För­de­rung durch den Bund wären hilf­reich, um die Imple­men­tie­rung der neu­en Richt­li­nie zu steu­ern.
  • Ent­schei­dungs­trä­gerinnen müs­sen Luft­rein­hal­tung prio­ri­sie­ren – aus gesund­heit­li­chen aber auch wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Grün­den. Dafür müs­sen die ver­schie­de­nen Akteur*innen auf allen Ebe­nen zusam­men­wir­ken. Bis zum Inkraft­tre­ten der neu­en Grenz- und Ziel­wer­te ver­blei­ben nur noch knapp vier Jah­re – die Zeit zum Han­deln ist jetzt.

Die­ser Poli­cy Brief ist im Rah­men des Pro­jekts „Ehr­gei­zi­ge und gerech­te Umset­zung der EU-Luft­qua­li­täts­richt­li­nie in Deutsch­land“ ent­stan­den, das durch den Clean Air Fund geför­dert wird. Das Cent­re for Pla­ne­ta­ry Health Poli­cy (CPHP) beglei­tet dabei das Ruhr­ge­biet und Ber­lin – zwei stark belas­te­te Regio­nen mit sozio­öko­no­mi­schen und haus­häl­te­ri­schen Her­aus­for­de­run­gen – bei der Umset­zung der EU-Luft­qua­li­täts­richt­li­nie. Dabei wur­de gemein­sam mit Akteu­rin­nen aus Gesund­heit, Umwelt, Poli­tik, Pra­xis, Wis­sen­schaft und Zivil­ge­sell­schaft erar­bei­tet, wie Städ­te und Gemein­den die neue Richt­li­nie ambi­tio­niert und zügig umset­zen kön­nen, um die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung wirk­sam zu schüt­zen. Dafür orga­ni­sier­te das CPHP zwi­schen Sep­tem­ber 2025 und Juli 2026 im Ruhr­ge­biet und in Ber­lin jeweils eine drei­tei­li­ge Dia­log­rei­he. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt sowie eine kur­ze Zusam­men­fas­sung der Ver­an­stal­tun­gen fin­den Sie auf der Pro­jekt-Web­sei­te.

Das Begleit­pro­jekt „Ana­ly­se der Wege zur Errei­chung der AAQD-Kon­for­mi­tät in den am stärks­ten belas­te­ten Regio­nen Deutsch­lands“ unter­stützt stark belas­te­te Regio­nen in Deutsch­land dabei, die Luft­qua­li­täts­stan­dards recht­zei­tig und ohne zeit­li­che Aus­nah­me­re­ge­lun­gen zu erfül­len. Dies geschieht durch eine umfas­sen­de Ana­ly­se und die Ent­wick­lung umsetz­ba­rer Maß­nah­men zur Ein­hal­tung der Grenz­wer­te. Dazu wur­de eine Exper­tin­nen-Umfra­ge durch­ge­führt, um die Wirk­sam­keit, Umsetz­bar­keit und Akzep­tanz ver­schie­de­ner Luft­rein­hal­te­maß­nah­men zu bewer­ten. Zudem wur­de die Luft­qua­li­tät für drei Bei­spiel­städ­te im Ruhr­ge­biet (Duis­burg, Mühl­heim, Mus­ter­stadt) model­liert und ana­ly­siert, um die Aus­wir­kun­gen unter­schied­li­cher Maß­nah­men auf die Luft­qua­li­tät im Jahr 2030 zu unter­su­chen. Das Pro­jekt wur­de eben­falls vom Clean Air Fund beauf­tragt und vom ifeu — Insti­tut für Ener­gie- und Umwelt­for­schung Hei­del­berg gGmbH und IVU Frei­burg durch­ge­führt.

» Poli­cy Brief wei­ter­le­sen

© CPHP, 2026

Alle Rech­te vor­be­hal­ten
Cent­re for Pla­ne­ta­ry Health Poli­cy
Caro­li­ne-Michae­lis-Str. 1, 10115 Ber­lin


Das CPHP ist eine unab­hän­gi­ge Denk­fa­brik, die zu Gesund­heits­po­li­tik und glo­ba­len Umwelt­ver­än­de­run­gen arbei­tet.

Zita­ti­ons­vor­schalg:

Jung, M., Baltruks, D., (2026). Gesün­de­re Luft bis 2030: Gemein­sam für eine ambi­tio­nier­te Umset­zung der Luft­qua­li­täts­richt­li­nie P‑02–2026. https://cphp-berlin.de/wp-content/uploads/2026/09/CPHP_Policy_Brief_P-02–2026.pdf [29.09.2026].

CPHP- Publi­ka­tio­nen unter­lie­gen einem drei­stu­fi­gen inter­nen Über­prü­fungs­ver­fah­ren und geben die Auf­fas­sung der Autor*innen wie­der.

info@cphp-berlin.de
www.cphp-berlin.de