„Die Pla­ne­ta­ry Health-Bril­le wer­de ich für den Rest mei­ner beruf­li­chen Lauf­bahn mit mir tra­gen.“ — Ein­bli­cke in ein Prak­ti­kum beim CPHP

„Die Pla­ne­ta­ry Health-Bril­le wer­de ich für den Rest mei­ner beruf­li­chen Lauf­bahn mit mir tra­gen.“ — Ein­bli­cke in ein Prak­ti­kum beim CPHP

 

Portrait von Leonie Bernhard

Leo­nie Bern­hard ist gelern­te Ergo­the­ra­peu­tin und stu­diert aktu­ell im Mas­ter Public Health an der LMU in Mün­chen.

Hawi, du kommst eigent­lich aus der kli­ni­schen Pra­xis. Mich wür­de inter­es­sie­ren: Was hat dich von dort zum CPHP geführt?

Hawi — Bevor ich beim CPHP ange­fan­gen habe, habe ich als Ärz­tin in Äthio­pi­en gear­bei­tet und Erfah­run­gen in kli­ni­scher Medi­zin, Ernäh­rung und Public Health gesam­melt. Die Zusam­men­ar­beit mit vul­ner­ablen Grup­pen zeig­te mir, wie stark sozia­le und Umwelt­fak­to­ren die Gesund­heit beein­flus­sen. Aktu­ell stre­be ich einen Mas­ter­ab­schluss in „Glo­bal Food, Nut­ri­ti­on and Health” an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth an, wo ich die Ver­bin­dun­gen zwi­schen Ernäh­rungs­sys­te­men, Kli­ma­wan­del, Nach­hal­tig­keit und öffent­li­cher Gesund­heit erfor­sche. Mein Weg ver­stärk­te mein Inter­es­se für Prä­ven­ti­on, gesund­heit­li­che Chan­cen­gleich­heit und wei­ter gefass­te Gesund­heits­de­ter­mi­nan­ten, was mich zu Pla­ne­ta­ry Health geführt hat.

Leo­nie — Das ist span­nend, wir kom­men aus sehr unter­schied­li­chen Kon­tex­ten, sind aber trotz­dem auf ähn­li­che Fra­gen gesto­ßen. Ich bin Ergo­the­ra­peu­tin und habe eini­ge Jah­re in städ­ti­schen Gebie­ten in Deutsch­land gear­bei­tet. Als Ergo­the­ra­peu­tin habe ich Indi­vi­du­en in ihrer Teil­ha­be und Hand­lungs­fä­hig­keit im All­tag unter­stützt, aber es gibt stets Gren­zen auf­grund von Umwelt­fak­to­ren unter­schied­lichs­ter Art. Der Grund für mich wie­der zu stu­die­ren war mein Wunsch, tie­fer in das Feld der Gesund­heits­för­de­rung und gesund­heit­li­chen Chan­cen­gleich­heit ein­zu­tau­chen, mit einem Fokus auf ver­hält­nis­prä­ven­ti­ve Maß­nah­men – daher habe ich mich für einen Mas­ter in Public Health ent­schie­den.

Du hast erwähnt, dass dein Weg dich zu Pla­ne­ta­ry Health geführt hat. Wie hast du zum ers­ten Mal von die­sem Kon­zept erfah­ren?

Hawi — Als Ärz­tin stellst du schnell fest, dass die Behand­lung indi­vi­du­el­ler Patient*innen nur eine kurz­fris­ti­ge Lösung ist, solan­ge die Umwelt, in die sie zurück­keh­ren, gegen sie arbei­tet. Mei­ne Betei­li­gung an Ernäh­rungs- und Public Health-Pro­gram­men in Äthio­pi­en führ­te mir immer mehr vor Augen, wie Kli­ma­wan­del, Lebens­mit­tel­un­si­cher­heit und Gesund­heit zusam­men­spie­len. Das brach­te mich als DAAD-Sti­pen­dia­tin nach Deutsch­land, wo ich wäh­rend mei­nes Stu­di­ums das ers­te Mal mit Pla­ne­ta­ry Health als Kon­zept in Kon­takt kam: mensch­li­che Gesund­heit und die Gesund­heit der Öko­sys­te­me unse­res Pla­ne­ten sind tief­grei­fend mit­ein­an­der ver­bun­den.

Portrait von Hawi Melka

Leo­nie — Ich habe eben­falls erst im Ver­lauf mei­nes Stu­di­ums direkt von Pla­ne­ta­ry Health gehört. Die Ver­bin­dung zwi­schen mensch­li­cher Gesund­heit und einem gesun­den Pla­ne­ten war nicht neu für mich, aber eine Ahnung über die Kom­ple­xi­tät und die Aus­ma­ße habe ich erst durch mein Stu­di­um, ein Aus­lands­se­mes­ter mit dem Fokus auf Glo­bal Health und defi­ni­tiv hier, durch mein Prak­ti­kum beim CPHP, bekom­men.

Wie bist du auf das CPHP auf­merk­sam gewor­den, Leo­nie?

Leo­nie — Tat­säch­lich eher zufäl­lig. Ich habe mich schon lan­ge für die Ver­bin­dung von Poli­tik und Gesund­heit inter­es­siert. Das CPHP hat sich pas­send ange­hört mit der gro­ßen Brei­te an Pro­jek­ten im Zusam­men­hang von Pla­ne­ta­ry Health und poli­ti­scher Gestal­tung. Ich woll­te mehr über poli­ti­sche Pro­zes­se, Ent­schei­dungs­ebe­nen, rele­van­te Akteur*innen für die sozi­al-öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­on und par­ti­zi­pa­ti­ve Metho­den ler­nen – und ich wür­de sagen, das ist sich bis­her ganz gut aus­ge­gan­gen. Wie war es bei dir?

Hawi — Ich war auf der Suche nach einer Orga­ni­sa­ti­on, die wis­sen­schaft­li­che Evi­denz aktiv in umsetz­ba­re poli­ti­sche Emp­feh­lun­gen über­setzt. Das CPHP ist mir sofort auf­ge­fal­len auf­grund sei­nes klar poli­tik-ori­en­tier­ten Ansat­zes. Auf­grund mei­nes Hin­ter­grunds in Medi­zin und nach­hal­ti­gen Ernäh­rungs­sys­te­men erschien mir das CPHP die opti­ma­le Mög­lich­keit zu bie­ten, mehr über Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on und poli­ti­sche Inter­es­sens­ver­tre­tung zu ler­nen.

Hawi, was hast du bis­her in dei­nem Prak­ti­kum gelernt?

Hawi — Die Arbeit hier war sehr erkennt­nis­reich. Im wis­sen­schaft­li­chen Bereich habe ich Lite­ra­tur­re­cher­chen und Ana­ly­sen durch­ge­führt, um Pro­jek­te an der Schnitt­stel­le von Kli­ma, Gesund­heit und Nach­hal­tig­keit zu unter­stüt­zen, spe­zi­ell das Pro­jekt „Natur als Gesund­heits­res­sour­ce”. Dar­über hin­aus habe ich eine Men­ge über Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on gelernt und Social Media-Bei­trä­ge auf­ge­setzt, um kom­ple­xe The­men für ein brei­te­res Publi­kum zugäng­lich zu machen. Alles in allem hat mir die Zeit wert­vol­le Ein­bli­cke gege­ben, wie evi­denz­ba­sier­te For­schung wir­kungs­voll ein­ge­setzt wer­den kann, um poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen zu beein­flus­sen.

Leo­nie — Ich schät­ze auch sehr die Mög­lich­keit, an Ver­an­stal­tun­gen auf euro­päi­schem und natio­na­lem Level teil­zu­neh­men. Eine hat mich beson­ders beein­druckt: Die Grü­ne Bun­des­tags­frak­ti­on ver­an­stal­te­te eine Ver­an­stal­tung zur Kom­mu­na­len Abwas­ser­richt­li­nie (KARL) der EU – was sich zunächst enorm tro­cken anhör­te, ent­pupp­te sich als ziem­lich pro­gres­si­ve Richt­li­nie. Die Haupt­the­men mei­nes Prak­ti­kums sind die Umset­zung der novel­lier­ten EU-Luft­qua­li­täts­richt­li­nie in zwei stark belas­te­ten Regio­nen in Deutsch­land und das zuneh­men­de Pro­blem von Umwelt­che­mi­ka­li­en mit Fokus auf den Gesund­heits­sek­tor.

Unse­re Prak­ti­ka enden in den nächs­ten Wochen. Wenn du zurück­schaust, Hawi – wie wird Pla­ne­ta­ry Health dei­nen zukünf­ti­gen Wer­de­gang beein­flus­sen?

Hawi — Die­ses Prak­ti­kum hat mei­nen Wunsch ver­fes­tigt, an der Schnitt­stel­le von Glo­bal Health-Poli­tik, nach­hal­ti­ger Ernäh­rung und Kli­ma­schutz zu arbei­ten. Ich sehe mich nicht in den klas­si­schen kli­ni­schen Bereich zurück­keh­ren, son­dern möch­te mei­nen medi­zi­ni­schen Hin­ter­grund mit mei­ner Aus­bil­dung in glo­ba­len Ernäh­rungs­sys­te­men kom­bi­nie­ren, um evi­denz­ba­sier­te poli­ti­sche Lösun­gen vor­an­zu­trei­ben. Die „Pla­ne­ta­ry Health-Bril­le“ wer­de ich für den Rest mei­ner beruf­li­chen Lauf­bahn mit mir tra­gen.

Leo­nie — Die „Pla­ne­ta­ry Health-Bril­le“ bedeu­tet auch, The­men eine gewis­se Kom­ple­xi­tät zu ver­lei­hen, selbst wenn auf den ers­ten Blick kei­ne direk­te Ver­bin­dung zu Nach­hal­tig­keit und Gesund­heit bestehen mag. Ich weiß nicht, wo ich nach mei­nem Stu­di­um lan­den wer­de – aber das Kon­zept Pla­ne­ta­ry Health wird mir dabei hel­fen, Aus­wir­kun­gen auf die Gesund­heit, unse­ren Pla­ne­ten und gesund­heit­li­che Chan­cen­gleich­heit zu berück­sich­ti­gen, ganz egal ob in der For­schung, in Public Health-Maß­nah­men oder in der Ergo­the­ra­pie.

Das CPHP bie­tet regel­mä­ßig Prak­ti­kums­plät­ze an. Vor­aus­set­zung ist eine Min­dest­dau­er von drei Mona­ten sowie Deutsch­kennt­nis­se auf min­des­tens C2 Niveau. Bei Inter­es­se freu­en wir uns über eine E‑Mail an info@cphp-berlin.de

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