„Die Planetary Health-Brille werde ich für den Rest meiner beruflichen Laufbahn mit mir tragen.“ — Einblicke in ein Praktikum beim CPHP

Leonie Bernhard ist gelernte Ergotherapeutin und studiert aktuell im Master Public Health an der LMU in München.
Hawi Melka und Leonie Bernhard haben in der ersten Jahreshälfte 2026 zeitgleich ihr Praktikum beim CPHP absolviert und kommen dabei aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Hawi ist Ärztin aus Äthiopien und studiert aktuell im Master in Global Food, Nutrition and Health. Leonie ist gelernte Ergotherapeutin und studiert aktuell Public Health an der LMU München. Im gemeinsamen Gespräch erzählen sie, wie sie von der Patient*innenbehandlung zum CPHP gefunden haben, was sie in den vergangenen Monaten gelernt haben – und warum sie die „Planetary Health-Brille” so schnell nicht wieder ablegen werden – egal ob in der Klinik, in der Ergotherapie oder in der Analyse von Gesundheitspolitik.
Hawi, du kommst eigentlich aus der klinischen Praxis. Mich würde interessieren: Was hat dich von dort zum CPHP geführt?
Hawi — Bevor ich beim CPHP angefangen habe, habe ich als Ärztin in Äthiopien gearbeitet und Erfahrungen in klinischer Medizin, Ernährung und Public Health gesammelt. Die Zusammenarbeit mit vulnerablen Gruppen zeigte mir, wie stark soziale und Umweltfaktoren die Gesundheit beeinflussen. Aktuell strebe ich einen Masterabschluss in „Global Food, Nutrition and Health” an der Universität Bayreuth an, wo ich die Verbindungen zwischen Ernährungssystemen, Klimawandel, Nachhaltigkeit und öffentlicher Gesundheit erforsche. Mein Weg verstärkte mein Interesse für Prävention, gesundheitliche Chancengleichheit und weiter gefasste Gesundheitsdeterminanten, was mich zu Planetary Health geführt hat.
Leonie — Das ist spannend, wir kommen aus sehr unterschiedlichen Kontexten, sind aber trotzdem auf ähnliche Fragen gestoßen. Ich bin Ergotherapeutin und habe einige Jahre in städtischen Gebieten in Deutschland gearbeitet. Als Ergotherapeutin habe ich Individuen in ihrer Teilhabe und Handlungsfähigkeit im Alltag unterstützt, aber es gibt stets Grenzen aufgrund von Umweltfaktoren unterschiedlichster Art. Der Grund für mich wieder zu studieren war mein Wunsch, tiefer in das Feld der Gesundheitsförderung und gesundheitlichen Chancengleichheit einzutauchen, mit einem Fokus auf verhältnispräventive Maßnahmen – daher habe ich mich für einen Master in Public Health entschieden.
Du hast erwähnt, dass dein Weg dich zu Planetary Health geführt hat. Wie hast du zum ersten Mal von diesem Konzept erfahren?
Hawi — Als Ärztin stellst du schnell fest, dass die Behandlung individueller Patient*innen nur eine kurzfristige Lösung ist, solange die Umwelt, in die sie zurückkehren, gegen sie arbeitet. Meine Beteiligung an Ernährungs- und Public Health-Programmen in Äthiopien führte mir immer mehr vor Augen, wie Klimawandel, Lebensmittelunsicherheit und Gesundheit zusammenspielen. Das brachte mich als DAAD-Stipendiatin nach Deutschland, wo ich während meines Studiums das erste Mal mit Planetary Health als Konzept in Kontakt kam: menschliche Gesundheit und die Gesundheit der Ökosysteme unseres Planeten sind tiefgreifend miteinander verbunden.

Hawi Mundie Melka ist Ärztin und studiert derzeit Science in Global Food, Nutrition, and Health an der Universität Bayreuth.
Leonie — Ich habe ebenfalls erst im Verlauf meines Studiums direkt von Planetary Health gehört. Die Verbindung zwischen menschlicher Gesundheit und einem gesunden Planeten war nicht neu für mich, aber eine Ahnung über die Komplexität und die Ausmaße habe ich erst durch mein Studium, ein Auslandssemester mit dem Fokus auf Global Health und definitiv hier, durch mein Praktikum beim CPHP, bekommen.
Wie bist du auf das CPHP aufmerksam geworden, Leonie?
Leonie — Tatsächlich eher zufällig. Ich habe mich schon lange für die Verbindung von Politik und Gesundheit interessiert. Das CPHP hat sich passend angehört mit der großen Breite an Projekten im Zusammenhang von Planetary Health und politischer Gestaltung. Ich wollte mehr über politische Prozesse, Entscheidungsebenen, relevante Akteur*innen für die sozial-ökologische Transformation und partizipative Methoden lernen – und ich würde sagen, das ist sich bisher ganz gut ausgegangen. Wie war es bei dir?
Hawi — Ich war auf der Suche nach einer Organisation, die wissenschaftliche Evidenz aktiv in umsetzbare politische Empfehlungen übersetzt. Das CPHP ist mir sofort aufgefallen aufgrund seines klar politik-orientierten Ansatzes. Aufgrund meines Hintergrunds in Medizin und nachhaltigen Ernährungssystemen erschien mir das CPHP die optimale Möglichkeit zu bieten, mehr über Wissenschaftskommunikation und politische Interessensvertretung zu lernen.
Hawi, was hast du bisher in deinem Praktikum gelernt?
Hawi — Die Arbeit hier war sehr erkenntnisreich. Im wissenschaftlichen Bereich habe ich Literaturrecherchen und Analysen durchgeführt, um Projekte an der Schnittstelle von Klima, Gesundheit und Nachhaltigkeit zu unterstützen, speziell das Projekt „Natur als Gesundheitsressource”. Darüber hinaus habe ich eine Menge über Wissenschaftskommunikation gelernt und Social Media-Beiträge aufgesetzt, um komplexe Themen für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen. Alles in allem hat mir die Zeit wertvolle Einblicke gegeben, wie evidenzbasierte Forschung wirkungsvoll eingesetzt werden kann, um politische Entscheidungen zu beeinflussen.
Leonie — Ich schätze auch sehr die Möglichkeit, an Veranstaltungen auf europäischem und nationalem Level teilzunehmen. Eine hat mich besonders beeindruckt: Die Grüne Bundestagsfraktion veranstaltete eine Veranstaltung zur Kommunalen Abwasserrichtlinie (KARL) der EU – was sich zunächst enorm trocken anhörte, entpuppte sich als ziemlich progressive Richtlinie. Die Hauptthemen meines Praktikums sind die Umsetzung der novellierten EU-Luftqualitätsrichtlinie in zwei stark belasteten Regionen in Deutschland und das zunehmende Problem von Umweltchemikalien mit Fokus auf den Gesundheitssektor.
Unsere Praktika enden in den nächsten Wochen. Wenn du zurückschaust, Hawi – wie wird Planetary Health deinen zukünftigen Werdegang beeinflussen?
Hawi — Dieses Praktikum hat meinen Wunsch verfestigt, an der Schnittstelle von Global Health-Politik, nachhaltiger Ernährung und Klimaschutz zu arbeiten. Ich sehe mich nicht in den klassischen klinischen Bereich zurückkehren, sondern möchte meinen medizinischen Hintergrund mit meiner Ausbildung in globalen Ernährungssystemen kombinieren, um evidenzbasierte politische Lösungen voranzutreiben. Die „Planetary Health-Brille“ werde ich für den Rest meiner beruflichen Laufbahn mit mir tragen.
Leonie — Die „Planetary Health-Brille“ bedeutet auch, Themen eine gewisse Komplexität zu verleihen, selbst wenn auf den ersten Blick keine direkte Verbindung zu Nachhaltigkeit und Gesundheit bestehen mag. Ich weiß nicht, wo ich nach meinem Studium landen werde – aber das Konzept Planetary Health wird mir dabei helfen, Auswirkungen auf die Gesundheit, unseren Planeten und gesundheitliche Chancengleichheit zu berücksichtigen, ganz egal ob in der Forschung, in Public Health-Maßnahmen oder in der Ergotherapie.
Das CPHP bietet regelmäßig Praktikumsplätze an. Voraussetzung ist eine Mindestdauer von drei Monaten sowie Deutschkenntnisse auf mindestens C2 Niveau. Bei Interesse freuen wir uns über eine E‑Mail an info@cphp-berlin.de
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