Lan­cet Count­down Euro­pe: Kli­ma­kri­se ver­schärft Gesund­heits­ri­si­ken in Euro­pa deut­lich

Lan­cet Count­down Euro­pe: Kli­ma­kri­se ver­schärft Gesund­heits­ri­si­ken in Euro­pa deut­lich

Der ges­tern ver­öf­fent­lich­te Lan­cet Count­down on Cli­ma­te Chan­ge and Health in Euro­pe zeigt erneut mit gro­ßer Klar­heit: Die Kli­ma­kri­se ist längst eine Gesund­heits­kri­se in Euro­pa. Die Aus­wir­kun­gen neh­men in nahe­zu allen Regio­nen zu und sind bereits heu­te im All­tag vie­ler Men­schen spür­bar, wäh­rend die poli­ti­sche Auf­merk­sam­keit für wirk­sa­men Kli­ma­schutz gleich­zei­tig abnimmt.

Der Euro­päi­sche Lan­cet Count­down Bericht 2026 zu Gesund­heit und Kli­ma­wan­del wur­de ges­tern im Rah­men einer Ver­an­stal­tung in Hei­del­berg vor­ge­stellt und bün­delt die aktu­ells­te Evi­denz zu den gesund­heit­li­chen Fol­gen des Kli­ma­wan­dels in Euro­pa.

Kreisförmige Punktgrafik mit einem Straßenbahnfoto und dem Text 'LANCET COUNTDOWN: HEALTH AND CLIMATE CHANGE IN EUROPE'

Zen­tra­le Ergeb­nis­se des Berichts

Die Daten zei­gen ein deut­li­ches Bild der zuneh­men­den Gesund­heits­be­las­tun­gen:

  • In nahe­zu allen euro­päi­schen Regio­nen stei­gen hit­ze­be­ding­te Erkran­kun­gen und Todes­fäl­le.
  • Hit­ze­wel­len beein­träch­ti­gen Arbeits­fä­hig­keit, kör­per­li­che Akti­vi­tät und Ernäh­rungs­si­cher­heit.
  • Kli­ma­be­ding­te Ver­än­de­run­gen bei Infek­ti­ons­krank­hei­ten, All­er­gien und Pol­len­be­las­tung neh­men wei­ter zu.

Euro­pa steht damit vor einer wach­sen­den Belas­tung der öffent­li­chen Gesund­heits­sys­te­me.

Deutsch­land: Hit­ze als zen­tra­le Gesund­heits­ge­fahr

Für Deutsch­land ist ins­be­son­de­re die zuneh­men­de Hit­ze­be­las­tung rele­vant. Sie stellt bereits heu­te die wich­tigs­te kli­ma­be­ding­te Gesund­heits­ge­fahr dar und ver­ur­sacht – abhän­gig von Inten­si­tät und Dau­er von Hit­ze­wel­len – tau­sen­de vor­zei­ti­ge Todes­fäl­le pro Jahr.

Gleich­zei­tig wur­den wich­ti­ge Schrit­te ein­ge­lei­tet, dar­un­ter:

  • natio­na­le und regio­na­le Hit­ze­ak­ti­ons­plä­ne
  • Wei­ter­ent­wick­lung von Kli­ma­an­pas­sungs­stra­te­gien
  • zuneh­men­de Sen­si­bi­li­sie­rung im Gesund­heits­sek­tor

Der Bericht macht jedoch deut­lich: Der bestehen­de Hand­lungs­rah­men reicht nicht aus, um die Dyna­mik der Risi­ken aus­rei­chend zu brem­sen.

Aus­tausch in Hei­del­berg

Beim Launch des Berichts in Hei­del­berg wur­de die wis­sen­schaft­li­che Evi­denz mit Vertreter*innen aus For­schung, Poli­tik und Pra­xis dis­ku­tiert. Im Mit­tel­punkt stand dabei auch die Fra­ge, war­um trotz kla­rer Daten­la­ge der poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Hand­lungs­druck nicht aus­rei­chend in kon­se­quen­tes Han­deln über­setzt wird.

Wie CPHP-Lei­te­rin Doro­thea Baltruks im Rah­men einer Ein­ord­nung gegen­über dem Tages­spie­gel beton­te, ist der Lan­cet Count­down eine wich­ti­ge Erin­ne­rung dar­an, dass der Kli­ma­wan­del nicht nur eine wach­sen­de Gesund­heits­be­dro­hung dar­stellt, son­dern als Risi­ko­mul­ti­pli­ka­tor auch sozia­le, geo­po­li­ti­sche und poli­ti­sche Span­nun­gen ver­stärkt.

Drei Personen stehen auf einer Bühne vor einem Holzpaneel mit Skulpturen und Wandreliefs, eine vierte Person steht mit einem Mikrofon und einem Blatt Papier, Publikum im Vordergrund

CPHP-Mit­ar­bei­te­rin Marie Jung nahm an der Ver­an­stal­tung teil und schil­der­te im Nach­gang ihre Ein­drü­cke vom Aus­tausch vor Ort. Sie hob her­vor, dass die wis­sen­schaft­li­che Evi­denz ein­deu­tig sei – ein­schließ­lich der beleg­ba­ren gesund­heit­li­chen Vor­tei­le von Kli­ma­schutz und Kli­ma­an­pas­sung. Gleich­zei­tig sei jedoch zu beob­ach­ten, dass Auf­merk­sam­keit und Enga­ge­ment in Öffent­lich­keit, Medi­en und Poli­tik eher zurück­ge­hen als zuneh­men.

Umso deut­li­cher wird die zen­tra­le Rol­le der Schnitt­stel­le zwi­schen Wis­sen­schaft und Umset­zung. Genau hier sehen wir bei CPHP gemein­sam mit unse­rer Dach­or­ga­ni­sa­ti­on KLUG – Deut­sche Alli­anz Kli­ma­wan­del und Gesund­heit e.V. unse­ren zen­tra­len Auf­trag: wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se wirk­sam in poli­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se und kon­kre­te Maß­nah­men zu über­set­zen.

Die­se Über­set­zungs­leis­tung bleibt eine fort­lau­fen­de Her­aus­for­de­rung. Umso wich­ti­ger ist es, bestehen­de Ansät­ze gezielt wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, blin­de Fle­cken zu iden­ti­fi­zie­ren und die eige­ne Arbeit kri­tisch zu reflek­tie­ren – mit dem Ziel, die Ver­bin­dung zwi­schen Evi­denz und Umset­zung noch wirk­sa­mer zu gestal­ten.

Der Bericht macht dabei erneut deut­lich: Inves­ti­tio­nen in erneu­er­ba­re Ener­gien, sau­be­re Tech­no­lo­gien und kli­ma­re­si­li­en­te Struk­tu­ren sind nicht nur Kli­ma­schutz­maß­nah­men, son­dern brin­gen direk­te gesund­heit­li­che Vor­tei­le für die Bevöl­ke­rung.

» Zum Lan­cet Count­down in Euro­pe Bericht

» Zur Auf­zeich­nung des Launch-Events in Hei­del­berg

» Zum Data Sheet Ger­ma­ny

» Zur Ein­ord­nung im Tages­spie­gel

Logo vom Lancet Countdown on Health and Climate Change in Europe

Der Lan­cet Count­down Euro­pe ist eine inter­dis­zi­pli­nä­re For­schungs­kol­la­bo­ra­ti­on, der 65 Exper­tin­nen und Exper­ten von For­schungs­ein­rich­tun­gen und Orga­ni­sa­tio­nen der Ver­ein­ten Natio­nen ange­hö­ren. Die Kol­la­bo­ra­ti­on wur­de 2021 als soge­nann­tes Regio­nal­zen­trum des welt­wei­ten Lan­cet Count­down gegrün­det und unter­sucht in fünf Berei­chen den Zusam­men­hang von Gesund­heit und Kli­ma­wan­del in Euro­pa. Dazu gehö­ren Gesund­heits­ri­si­ken und Gesund­heits­aus­wir­kun­gen, bereits ergrif­fe­ne Anpas­sungs- und Abschwä­chungs­maß­nah­men, die Berei­che Wirt­schaft und Finan­zen sowie die Aus­ein­an­der­set­zung mit den The­men Kli­ma­wan­del und Gesund­heit durch ver­schie­de­ne gesell­schaft­li­che Akteu­re. Der drit­te Euro­pa-Bericht, der in der Fach­zeit­schrift „Lan­cet Public Health“ ver­öf­fent­licht wird, umfasst ins­ge­samt 44 Indi­ka­to­ren. 

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