🔸 Wie sieht ein zukunftsfähiger Arzneimittelsektor aus, in dem Nachhaltigkeit, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit gewährleistet sind?
🔸 Und welche Rolle spielen Regulierung und politische Steuerung dabei?
Diesen Fragen widmeten wir uns am 9. September bei dem ersten Runden Tisch, den wir im Rahmen unseres vom Umweltbundesamt geförderten Projekts „Politische Strategien für eine nachhaltige Arzneimittelversorgung“ ausrichten durften. Unter dem Motto “Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit im Arzneimittelsektor der Zukunft” kamen Vertreter*innen aus Wissenschaft, gesetzlichen Krankenkassen, medizinischer und pharmazeutischer Praxis, Zivilgesellschaft und Industrie zusammen, um gemeinsam über Herausforderungen und zukunftsfähige Lösungsansätze zu diskutieren.

Impulse aus Forschung und Praxis
Nach einer Einführung in den Forschungsstand zu Umwelt- und Klimaauswirkungen von Arzneimitteln stellte Clemens Woitaske-Proske (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) den Arzneimittelindex Umwelt vor, den er gemeinsam mit dem Umweltbundesamt und dem Ecologic Institut sowie einem Begleitkreis mit Vertreter*innen aus Praxis und Wissenschaft entwickelt hat und der ein Informations‑, Klassifikations- und Vermittlungssystem über die Umweltauswirkungen von Arzneimitteln beinhaltet.
Eine robuste, einfach anwendbare und vergleichbare Methodik zur Bewertung und Klassifizierung stand auch im Fokus des Inputs von Sebastien Taillemite , dem Präsidenten des französischen Unternehmens Ecovamed. Dieses entwickelte eine Methodik zur Bewertung des CO2-Fußabdrucks von Arzneimitteln auf Nachfrage der französischen Pharmaindustrie und Behörden.
Die Perspektive deutscher Pharmaunternehmen, Praxisbeispiele sowie Fragen der zusätzlichen Finanzierung stellte Dr. Elmar Kroth (Pharma Deutschland) vor.
Zentrale Erkenntnisse der Diskussion
Die intensive Debatte zeigte, dass Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit Hand in Hand gehen können – auch in einem preissensitiven Marktumfeld. Folgende Impulse haben wir aus der Diskussion mitgenommen:
🔸 Verlässliche Rahmenbedingungen (wie z.B. die CSRD-Richtlinie oder das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz) schaffen ein “Level Playing Field” und ermöglichen Wandel in der gesamten EU-Industrie.
🔸 Nachhaltigkeit im Generikamarkt ist realisierbar – erste Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien (z. B. AOK Baden-Württemberg, GWQ ServicePlus AG) liefern konkrete Beispiele.
🔸 Um die Klima- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, die essentiell für unser aller Wohlergehen sind, braucht es eine gemeinsame Strategie und Umsetzung für den Sektor mit verbindlichen Zielen, wissenschaftlichen Standards und transparenten Daten.
Unser Fazit
Nachhaltigkeit im Arzneimittelsektor ist keine Option, sondern eine Grundvoraussetzung für eine zukunftsfähige und gerechte Gesundheitsversorgung.
Gleichzeitig wurde deutlich: Nur im kontinuierlichen Dialog zwischen allen relevanten Akteur*innen lassen sich Zielkonflikte ausbalancieren und tragfähige Lösungen entwickeln
Wir danken allen Teilnehmenden für die konstruktiven Beiträge, dem GKV-Spitzenverband für die Räumlichkeiten und freuen uns, die Diskussion im Rahmen unseres Projektes „Politische Strategien für eine nachhaltige Arzneimittelversorgung“ fortzusetzen!

Fotos: CPHP
