Am: 09.06.2026

Ort: Berlin

Luft­qua­li­tät als Quer­schnitts­the­ma: Drit­ter Stake­hol­der­dia­log in Ber­lin zur ambi­tio­nier­ten und frist­ge­rech­ten Umset­zung der EU-Luft­qua­li­täts­richt­li­nie (AAQD)


Luft­qua­li­tät als Quer­schnitts­the­ma: Drit­ter Stake­hol­der­dia­log in Ber­lin zur ambi­tio­nier­ten und frist­ge­rech­ten Umset­zung der EU-Luft­qua­li­täts­richt­li­nie (AAQD)


Am 9. Juni fand der drit­te Stake­hol­der­dia­log unse­res vom Clean Air Fund geför­der­ten Pro­jek­tes in Ber­lin statt. Auch für die vor­erst letz­te Aus­tausch­run­de in die­sem Rah­men kamen wie­der ver­schie­de­ne Akteur*innen aus Poli­tik, Ver­wal­tung, Wis­sen­schaft und Zivil­ge­sell­schaft zusam­men und dis­ku­tier­ten, wie Ber­lin die neu­en Luft­qua­li­täts­grenz­wer­te bis 2030 errei­chen kann, um die Gesund­heit der Ber­li­ner Bevöl­ke­rung zu ver­bes­sern.

Der aktu­el­le Stand der Umset­zung der EU-Luft­qua­li­täts­richt­li­nie in Ber­lin

Andre­as Kersch­bau­mer aus der Senats­ver­wal­tung für Mobi­li­tät, Ver­kehr und Kli­ma­schutz gab einen Über­blick über den aktu­el­len Stand der Umset­zung der Luft­qua­li­täts­richt­li­nie in Ber­lin und zeig­te auf, wel­che Aspek­te momen­tan in der Ver­wal­tung dis­ku­tiert und bear­bei­tet wer­den. Deut­lich wur­de dabei: sowohl auf Bundes‑, als auch auf Lan­des- und kom­mu­na­ler Ebe­ne wird das The­ma bear­bei­tet und aus­ste­hen­de recht­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Fra­gen wer­den dis­ku­tiert und gelöst. In Ber­lin wird Luft­rein­hal­tung als Quer­schnitts­the­ma ver­stan­den, das die Zusam­men­ar­beit ver­schie­de­ner Abtei­lun­gen erfor­dert – von Gesund­heits­schutz, Stadt­ent­wick­lung und Ver­kehrs­pla­nung bis hin zu Indus­trie, Gewer­be und Kli­ma­schutz. Denn um die Zie­le der neu­en Luft­qua­li­täts­richt­li­nie ein­zu­hal­ten, braucht es neben kurz­fris­ti­gen Maß­nah­men, die Hot­spots der Luft­ver­schmut­zung gezielt ange­hen, auch lang­fris­ti­ge Ver­än­de­run­gen, die sich auf die Hin­ter­grund­be­las­tung kon­zen­trie­ren, damit die Luft­qua­li­tät flä­chen­de­ckend und nach­hal­tig gesün­der wird.

Andreas Kerschbaumer präsentiert

Maß­nah­men auf kom­mu­na­ler Ebe­ne zur Errei­chung der Grenz­wer­te bis 2030


Frank Dün­ne­beil vom ifeu Insti­tut Hei­del­berg stell­te die vor­läu­fi­gen Ergeb­nis­se eines wei­te­ren vom Clean Air Fund geför­der­ten Pro­jek­tes vor. In dem Pro­jekt des ifeu und der IVU Umwelt GmbH wer­den Model­lie­run­gen der Luft­qua­li­tät in Mühl­heim und Duis­burg erstellt, um zu ermit­teln, mit wel­chen Maß­nah­men­bün­deln die neu­en Luft­qua­li­täts­grenz­wer­te dort bis 2030 erreicht wer­den könn­ten. Dafür wur­den unter ande­rem durch Expert*innen-Befragungen Luft­rein­hal­te­maß­nah­men iden­ti­fi­ziert, die effek­tiv sind und bis 2030 von den Kom­mu­nen umge­setzt wer­den kön­nen. In den Model­lie­run­gen wur­de klar, dass die Antei­le der Emis­si­ons­quel­len – ob Ver­kehr, Indus­trie oder Hei­zun­gen – sich lokal stark unter­schei­den und daher maß­ge­schnei­der­te Lösungs­an­sät­ze not­wen­dig sind. Zusätz­lich besteht eine regio­na­le und über­re­gio­na­le Hin­ter­grund­be­las­tung u.a. durch über­re­gio­na­len Ver­kehr, Indus­trie und Land­wirt­schaft. Die­se lässt sich nicht allein von kom­mu­na­ler Sei­te redu­zie­ren, son­dern bedarf auch lan­des- und bun­des­wei­ter Ver­än­de­run­gen.

Frank Dünnebeil vom ifeu Institut Heidelberg

Die Befra­gung ergab zudem, dass für eini­ge Maß­nah­men eine hohe Akzep­tanz in der Bevöl­ke­rung ange­nom­men wird, die­se aber nur bedingt wirk­sam zur Ver­bes­se­rung der Luft­qua­li­tät sei­en. Hin­ge­gen schätz­ten die Expert*innen die Akzep­tanz für sehr wirk­sa­me Maß­nah­men als eher gering ein. Die Akzep­tanz für wirk­sa­me Maß­nah­men zu stär­ken – z.B. durch die Auf­klä­rung über deren Gesund­heits­ge­win­ne – wur­de des­halb als ein zen­tra­ler Bau­stein in der Aus­wahl und Umset­zung der Maß­nah­men iden­ti­fi­ziert.

Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für Politiker*innen

Unse­re wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin Marie Jung skiz­zier­te ers­te Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für poli­ti­sche Entscheidungsträger*innen, die aus den vor­her­ge­gan­ge­nen Stake­hol­der­dia­lo­gen und den vor­läu­fi­gen Ergeb­nis­sen des Schwes­ter­pro­jekts her­vor­gin­gen. In unse­rem Poli­cy Brief, der im Herbst 2026 ver­öf­fent­licht wird, wer­den die­se aus­ge­ar­bei­tet und ver­tief­ter dar­ge­stellt. Zen­tra­le Aspek­te sind dabei:

Marie Jung präsentiert
  1. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on von Gesund­heits­ge­win­nen — ins­be­son­de­re für vul­nerable Bevöl­ke­rungs­grup­pen – und Co-Bene­fits, um die Akzep­tanz der Bürger*innen für wirk­sa­me Maß­nah­men zu erhö­hen.
  2. Maß­nah­men wis­sen­schaft­lich zu eva­lu­ie­ren und durch eine kla­re poli­ti­sche Füh­rung und gute Kom­mu­ni­ka­ti­on stra­te­gisch zu beglei­ten.
  3. Syn­er­gien mit ande­ren poli­ti­schen Ziel­set­zung und Pro­zes­sen nut­zen, damit Maß­nah­men inein­an­der­grei­fen und sich gegen­sei­tig begüns­ti­gen.
  4. Gesetz­li­che Rah­men­be­din­gu­nen durch den Bund, die den Kom­mu­nen wirk­sa­mes Han­deln vor Ort ermög­li­chen, um den Bürger*innen so schnell wie mög­lich flä­chen­de­ckend sau­be­re Luft zum Atmen zu ermög­li­chen.

In unse­rer inter­ak­ti­ven Panel­dis­kus­si­on mit Dr. Anto­nia Ruck (Kli­maUni­on Ber­lin), Oli­ver Schrouf­fe­n­eger (Bezirks­stadt­rat für Ord­nung, Umwelt, Stra­ßen und Grün­flä­chen in Char­lot­ten­burg-Wil­mers­dorf), Dr. med. Micha­el Bar­ker (Senats­ver­wal­tung Wis­sen­schaft, Gesund­heit und Pfle­ge) und Dr. Vivi­an Frick (Insti­tut für öko­lo­gi­sche Wirt­schafts­for­schung) ver­tief­ten wir das Gespräch über die Mög­lich­kei­ten und Her­aus­for­de­run­gen bei der Umset­zung der Luft­qua­li­täts­richt­li­nie.

Gruppendiskussion

Die Dis­kus­si­on mach­te deut­lich: Der Bund muss den Kom­mu­nen recht­li­che Spiel­räu­me ermög­li­chen, die­se müs­sen jedoch selbst auch mutig vor­an­ge­hen und ihre Mög­lich­kei­ten nut­zen. Zudem soll­ten unter­re­prä­sen­tier­te Grup­pen aktiv in Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­be­zo­gen wer­den.

Luft­qua­li­tät ist ein brei­tes The­ma, das nicht von einem Sek­tor allein ver­bes­sert wer­den kann, zudem hat es vie­le Über­schnei­dun­gen mit ande­ren The­men wie Lärm­schutz, Hit­ze, Kli­ma- und Umwelt­schutz. Die Umset­zung der Richt­li­nie mit all ihren Her­aus­for­de­run­gen ist eine gro­ße Chan­ce, den Health in all Poli­ci­es-Ansatz und die sek­toren­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit zu stär­ken und aus­zu­bau­en. Mit dem ers­ten Refe­ren­ten­ent­wurf für die natio­na­le Imple­men­tie­rung und dem Son­der­ver­mö­gen Kli­ma­schutz gibt es ein poli­ti­sches Mög­lich­keits­fens­ter. Jetzt ist die Zeit mit­zu­ge­stal­ten und die Wei­chen für sau­be­re Luft und das Zero-Pol­lu­ti­on Ziel der EU in Deutsch­land zu stel­len.

Gruppenfoto

Vie­len herz­li­chen Dank an alle Referent*innen und Panelist*innen für Ihre berei­chern­den Bei­trä­ge und die span­nen­de Dis­kus­si­on! Ein eben­so gro­ßes Dan­ke­schön geht an die Teil­neh­men­den für Ihr Inter­es­se und Ihre akti­ve Betei­li­gung!

Wir freu­en uns auf unse­ren letz­ten Stake­hol­der­dia­log in Essen und das Zusam­men­tra­gen der Ergeb­nis­se in unse­rem Poli­cy Brief.

Fotos: CPHP