Herausforderungen und Handlungsoptionen: Dritter Stakeholderdialog in Essen zur ambitionierten und fristgerechten Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinie (AAQD)
Am 1. Juli 2026 fand der vorerst letzte von insgesamt sechs Stakeholderdialogen in Berlin und Essen statt. Seit Ende 2025 konnten wir im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe mit Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sprechen. Gemeinsam diskutierten wir Probleme und Handlungsansätze zur Umsetzung der novellierten EU-Luftqualitätsrichtlinie in Deutschland, mit Schwerpunkt auf Berlin und das Ruhrgebiet als besonders belastete Regionen. Wissenschaftliche Inputs und Praxisberichte ermöglichten einen Überblick über die Gesundheitsauswirkungen von Luftverschmutzung, auftretende Schwierigkeiten bei der Maßnahmenplanung und ‑umsetzung sowie den aktuellen Stand in den Kommunen und bundesweit. Im Nachgang zu den Veranstaltungen tragen wir die Ergebnisse der Dialoge zusammen und arbeiten sie in einen Policy Brief mit politischen Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der AAQD ein. Gefördert wird das Projekt vom Clean Air Fund.
Zu Beginn unseres dritten Dialogs in Essen stellte Dr. Volker Ochsenfahrt, Leiter des Referats „Luftreinhaltung“ im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, den aktuellen Stand der Umsetzung in NRW und bundesweit vor. Die Messnetze werden untersucht und gegebenenfalls angepasst und erweitert, die Luftqualität wird analysiert und es wird geprüft wo zusätzliche Maßnahmen nötig sind, um die Luftqualität entsprechend der neuen Grenzwerte sicher zu stellen. Zudem gibt es Austauschrunden zwischen Land, Bezirksregierungen und Kommunen um ein koordiniertes Vorgehen zu ermöglichen. Ziel der Aktivitäten ist es, die neuen Luftqualitätsstandards so schnell wie möglich einzuhalten und eine Fristverlängerung bei der EU zu vermeiden.

Anschließend stellten Frank Dünnebeil und Anna Mahlau die Ergebnisse des Schwesterprojekts vor, das ebenfalls vom Clean Air Fund gefördert wird und vom ifeu Heidelberg und der IVU Umwelt GmbH Freiburg durchgeführt wird. Darin wurde die Luftqualität im Ruhrgebiet für das Jahr 2030 modelliert, um Quellen für die Überschreitung der Grenzwerte zu identifizieren. Mithilfe der Modellierung und einer Expert*innenbefragung wurden Maßnahmenpakete auf kommunaler Ebene zusammengestellt, die bis 2030 umsetzbar wären. Anschließend wurde die Luftqualität unter der Annahme der Umsetzung dieser Maßnhamen neu modelliert.

Die Ergebnisse zeigen, dass kommunale Maßnahmen im Verkehr die Stickoxidbelastung maßgeblich senken und so die Einhaltung der neuen Grenzwerte ermöglicht werden könnte. Feinstaub (PM2,5) bleibt jedoch weiterhin eine große Herausforderung. Lokale Maßnahmen reichen laut der Modellierung nicht aus, um den neuen Anforderungen an die Luftqualität nachzukommen. Hier sind flächendeckende Lösungen und Emissionsminderungen nötig, um die Hintergrundbelastung in Städten deutlich zu reduzieren.

Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Marie Jung stellte die vorläufigen Handlungsempfehlungen des CPHP auf politischer Ebene vor. Diese werden um die Ergebnisse der letzten zwei Dialoge in Berlin und Essen ergänzt und im Herbst in einem Policy Brief veröffentlicht.

Im Rahmen einer interaktiven Paneldiskussion mit Anne Staufer (Health and Environment Alliance), Stephan Neumann (verkehrspolitischer Sprecher, Bündnis 90/ Die Grünen Essen), Fabian Kremer (umweltpolitischer Sprecher, SPD Essen) und Sabine von der Beck (Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Klima und Liegenschaften des Ruhrparlaments, Bündnis 90/ Die Grünen) wurde vorrangig der politische Wille und Hürden für die Umsetzung von Luftreinhaltemaßnahmen diskutiert. Es wurden internationale Beispiele wie London, Barcelona oder Paris genannt als Vorbilder für ambitioniertes Vorgehen für die Verbesserung der Luftqualität und die Umverteilung von öffentlichem Raum für mehr Rad- und Fußverkehr. Es wurde klar, dass das Ruhrgebiet vor großen Herausforderungen steht. Kooperation und mutiges Handeln bieten die Chance für die Weiterentwicklung der Region zu einer grünen Industrieregion und für mehr Lebensqualität mit sauberer Luft.

Wir bedanken uns herzlich bei den Vortragenden, Panelist*innen und allen Teilnehmenden unserer Dialoge für Ihr Engagement, Ihre Expertise, Perspektiven und die spannende Diskussion!
Wir freuen uns darauf die Erkenntnisse aus den Dialogen in unseren Policy Brief zusammenzutragen.
Fotos: CPHP
